Nachwuchsforschernetzwerk
Cultural and Literary Animal Studies (CLAS)

1. Aktuelles

- Im Nachwuchsforschernetzwerk CLAS sind mittlerweile etwa 150 Promovenden und Postdoktoranden vernetzt. Weitere Interessenten werden gerne aufgenommen, die Anmeldung erfolgt formlos mit einer Mail an netzwerk-clas@germanistik.uni-wuerzburg.de unter Angabe des fachlichen Hintergrunds, der institutionellen Anbindung und des aktuellen Arbeitsprojekts.

- Im September 2012, 2013 und 2014 fanden drei je einwöchige internationale Summer Schools in Würzburg statt, gefördert von der VolkswagenStiftung. Jedes Jahr wurden dafür 33 Stipendien an internationale NachwuchswissenschaftlerInnen vergeben.

 

2. Bisherige Aktivitäten

 

22. bis 27. September 2014: Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies 2014: "Zoologische Ästhetik" mit 33 internationalen Nachwuchswissenschaftlern, Giovanni Aloi (Chicago/London), Eva Geulen (Frankfurt a.M.), David Rothenberg (Newark, USA), Marin Ullrich (Hochschule für Musik Nürnberg), Volker Sommer (University College London) und Julia Voss (FAZ). Neben dem Workshopprogramm für die StipendiatInnen gibt es öffentliche Keynotes, eine naturkulturwissenschaftliche Debatte und ein Konzert, zu denen alle Interessierten eingeladen sind.

23.-28. September 2013: Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies: "Politische Zoologie" mit 33 internationalen Nachwuchswissenschaftlern, Susan McHugh (University of New England/USA), Tom Tyler (Oxford Brookes University/GB), Antonia Baehr, Gabriele Brandstetter (Freie Universität Berlin), Christoph Kleineidam (Universität Konstanz) und Niels Werber (Universität Siegen). Weitere Informationen, Programm, Initiates file downloadPressemitteilung, Initiates file downloadFlyer.

24.-29. September 2012: Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies 2012: Nature, Culture, Agency mit Theorie- und Themenworkshops für 33 internationale Stipendiaten sowie Initiates file downloadöffentlichen Keynotes, Debatten und Lesungen: Philippe Descola (Collège de France, Paris / F): "All kinds of Animals", Julia Fischer (Deutsches Primatenzentrum Göttingen / D) & Markus Wild (Universität Fribourg / CH), Stefan Rieger (Universität Bochum / D): "Doppelhasen und Schwabenkäfer. Aus dem Bestiarium der Transgenetik", Marcel Beyer im Gespräch mit Julika Griem (Universität Frankfurt a.M. / D).

- Das Literaturwissenschaftliche Kolloquium zu den Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) an der Universität Würzburg fand vom 14.-16. Juni 2012 statt. Initiates file downloadProgramm. Und das war der CfP.

- Im Rahmen des ersten Arbeitstreffens begrüßten wir Prof. Dr. Peter Schnyder (Neuchâtel) zu einem öffentlichen Arbeitsvortrag, 14. Juni 2012: "Riesenfaultierpoesie"

- Das erste Arbeitstreffen von CLAS fand mit fast 50 Teilnehmern vom 9. bis 11. November 2011 in Würzburg statt. Programm und weitere Informationen.

- Im Rahmen des ersten Arbeitstreffens begrüßten wir PD Dr. Markus Wild (Zürich/Berlin) zu einem öffentlichen Abendvortrag, 9.11.2011: "Hey, I didn't say, kiss me." Kurze Geschichte des Gorillas.

 

3. Gegenstand

In den Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den letzten Jahren zunehmend Tiere in den Fokus des Interesses gerückt. So konstituieren sich derzeit im Zusammenhang mit den angloamerikanischen Animal Studies und in enger Verbindung zur Wissensgeschichte die Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) als interdisziplinäres Forschungsgebiet. Insbesondere poststrukturalistische Theoreme (Michel Foucault, Gilles Deleuze/Felix Guattari, Jacques Derrida, Giorgio Agamben) sowie die Akteur-Netzwerk-Theorie (Bruno Latour, Donna Haraway) sind dabei von entscheidender Bedeutung für die Theoriebildung der CLAS.

Die Frage nach der Relevanz von Tieren macht eines klar: Tiere sind überall, Tiere gehören auf elementare Weise jeder Kultur an, mit und an Tieren wird Kultur geschaffen. Praktiken der Zucht, der Jagd, des Experiments sowie Beobachtungsanordnungen wie Menagerie, Zoo oder Zirkus verdeutlichen sowohl die vielfältigen Macht- und Wissenskomplexe, die auf Tiere einwirken, als auch die historische Variabilität dieser Prozeduren. Tiere sind also kulturhistorisch durchformt. Diese Durchformungen als kulturelle Semiosen lesbar und auf ihre politischen Implikationen hin durchschaubar zu machen, lässt sich als eine Aufgabe einer Kulturgeschichte der Tiere formulieren

Die Hinwendung der Forschung zu Tieren zieht dabei aber auch Fragen nach dem Status der Tiere als Forschungsgegenstand nach sich: Sind Tiere als Objekte Einschreibeflächen von Macht- und Wissensprozeduren, oder können Tiere als Akteure mit Agency verstanden werden? Sind Tiere ausschließlich durch die Geschichte des Menschen gemacht, oder machen sie selbst Geschichte? Sind Tiere durch eine Poiesis des Wissens erzeugt, oder sind sie selbst Generatoren in der Entstehung von Wissen? Sind sie bloßes Objekt einer Politik der Tiere, oder ist eine Form der tierlichen Teilhabe an Politik denkbar?

Kulturgeschichten der Tiere arbeiten auf der Materialbasis medialer Repräsentationen: Tiere hinterlassen selten Artefakte und sind meist nur über die Zeugnisse des Menschen habhaft zu werden. In einem wissensgeschichtlichen Rahmen stellt sich damit die Frage, wie verschiedene Medien, verschiedene Kunstformen und verschiedene Textgattungen Wissen über Tiere hervorbringen, wie dieses Wissen den Gegenstand, auf den es zugreift, selbst formt und wie dieses Wissen popularisiert wird. So narrativiert die Literatur im Modus des ‚als ob‘ Begegnungsgeschichten zwischen Mensch und Tier und beeinflusst auf diese Weise die Wahrnehmung von Tieren. Literarische Texte (und auch Filme, Bilder, Musik, Theateraufführungen) sind also am Aufbau und der Vermittlung des Wissens über Tiere mit beteiligt. Das hat für die Wissenschaften von den Künsten eine doppelte Konsequenz: Einerseits prägen künstlerische Artefakte durch ihre Darstellungsverfahren den Umgang mit tatsächlichen Tieren, andererseits ist durch eine solche Hypothese die Wissenschaft selbst aufgerufen, sich der Wirkmacht des eigenen Gegenstandes zu stellen. Damit thematisieren die CLAS neben historischen auch systematische Problemstellungen.

4. Vernetzung

Das Nachwuchsforschernetzwerk CLAS will Strukturen, Räume und Formate entwickeln, in denen Promovierende und Postdoktoranden sich über die Möglichkeiten, Bedingungen und Konsequenzen der CLAS für ihre Forschungsarbeit austauschen können. Ziel ist die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlern, die sich mit Fragen der Tiere beschäftigen, insbesondere in den Disziplinen der Literaturwissenschaften (Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Ältere Philologien usw.), der Philosophie und Geschichtswissenschaft, der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft usw. Der (interdisziplinäre) Austausch soll gefördert und darüber hinaus eine Plattform für Tierdenker geschaffen werden, die sich explizit an den Interessen von Nachwuchsforschern orientiert. Geplant ist die Einrichtung einer Homepage und einer Mailingliste zur Vernetzung und Diskussion, zur Bildung von Interessengruppen und zum Austausch von Material. Das Nachwuchsforschernetzwerk ist offen für Beteiligte aus den unterschiedlichen Fachrichtungen und baut auf die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Formaten durch alle Mitglieder.