Nachwuchsforschernetzwerk
Cultural and Literary Animal Studies (CLAS)
1. Aktuelles
- Neue Ausschreibung: 33 Stipendien für die Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies 2012, gefördert von der VolkswagenStiftung. Bewerbungsschluss 15. Juni!
- Call for Applications: 33 Scholarships for the Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies 2012, funded by Volkswagen Foundation. Deadline June, 15!
- Literaturwissenschaftliches Kolloquium zu den Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) an der Universität Würzburg, 14.-16. Juni 2012. Einsendeschluss war der 29. Februar.
Weitere Informationen.
- Im Nachwuchsforschernetzwerk CLAS sind mittlerweile etwa 80 Promovenden und Postdoktoranden vernetzt. Weitere Interessenten werden gerne aufgenommen, die Anmeldung erfolgt formlos mit einer Mail an
netzwerk-clas@germanistik.uni-wuerzburg.de unter Angabe des fachlichen Hintergrunds, der institutionellen Anbindung und des aktuellen Arbeitsprojekts.
2. Bisherige Aktivitäten
- Das erste Arbeitstreffen von CLAS fand mit fast 50 Teilnehmern vom 9. bis 11. November 2011 in Würzburg statt.
Programm und weitere Informationen.
- Im Rahmen des ersten Arbeitstreffens begrüßten wir PD Dr. Markus Wild (Zürich/Berlin) zu einem
öffentlichen Abendvortrag, 9.11.2011: "Hey, I didn't say, kiss me." Kurze Geschichte des Gorillas.
3. Gegenstand
In den Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den letzten Jahren zunehmend Tiere in den Fokus des Interesses gerückt. So konstituieren sich derzeit im Zusammenhang mit den angloamerikanischen Animal Studies und in enger Verbindung zur Wissensgeschichte die Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) als interdisziplinäres Forschungsgebiet. Insbesondere poststrukturalistische Theoreme (Michel Foucault, Gilles Deleuze/Felix Guattari, Jacques Derrida, Giorgio Agamben) sowie die Akteur-Netzwerk-Theorie (Bruno Latour, Donna Haraway) sind dabei von entscheidender Bedeutung für die Theoriebildung der CLAS.
Die Frage nach der Relevanz von Tieren macht eines klar: Tiere sind überall, Tiere gehören auf elementare Weise jeder Kultur an, mit und an Tieren wird Kultur geschaffen. Praktiken der Zucht, der Jagd, des Experiments sowie Beobachtungsanordnungen wie Menagerie, Zoo oder Zirkus verdeutlichen sowohl die vielfältigen Macht- und Wissenskomplexe, die auf Tiere einwirken, als auch die historische Variabilität dieser Prozeduren. Tiere sind also kulturhistorisch durchformt. Diese Durchformungen als kulturelle Semiosen lesbar und auf ihre politischen Implikationen hin durchschaubar zu machen, lässt sich als eine Aufgabe einer Kulturgeschichte der Tiere formulieren
Die Hinwendung der Forschung zu Tieren zieht dabei aber auch Fragen nach dem Status der Tiere als Forschungsgegenstand nach sich: Sind Tiere als Objekte Einschreibeflächen von Macht- und Wissensprozeduren, oder können Tiere als Akteure mit Agency verstanden werden? Sind Tiere ausschließlich durch die Geschichte des Menschen gemacht, oder machen sie selbst Geschichte? Sind Tiere durch eine Poiesis des Wissens erzeugt, oder sind sie selbst Generatoren in der Entstehung von Wissen? Sind sie bloßes Objekt einer Politik der Tiere, oder ist eine Form der tierlichen Teilhabe an Politik denkbar?
Kulturgeschichten der Tiere arbeiten auf der Materialbasis medialer Repräsentationen: Tiere hinterlassen selten Artefakte und sind meist nur über die Zeugnisse des Menschen habhaft zu werden. In einem wissensgeschichtlichen Rahmen stellt sich damit die Frage, wie verschiedene Medien, verschiedene Kunstformen und verschiedene Textgattungen Wissen über Tiere hervorbringen, wie dieses Wissen den Gegenstand, auf den es zugreift, selbst formt und wie dieses Wissen popularisiert wird. So narrativiert die Literatur im Modus des ‚als ob‘ Begegnungsgeschichten zwischen Mensch und Tier und beeinflusst auf diese Weise die Wahrnehmung von Tieren. Literarische Texte (und auch Filme, Bilder, Musik, Theateraufführungen) sind also am Aufbau und der Vermittlung des Wissens über Tiere mit beteiligt. Das hat für die Wissenschaften von den Künsten eine doppelte Konsequenz: Einerseits prägen künstlerische Artefakte durch ihre Darstellungsverfahren den Umgang mit tatsächlichen Tieren, andererseits ist durch eine solche Hypothese die Wissenschaft selbst aufgerufen, sich der Wirkmacht des eigenen Gegenstandes zu stellen. Damit thematisieren die CLAS neben historischen auch systematische Problemstellungen.
4. Vernetzung
Das Nachwuchsforschernetzwerk CLAS will Strukturen, Räume und Formate entwickeln, in denen Promovierende und Postdoktoranden sich über die Möglichkeiten, Bedingungen und Konsequenzen der CLAS für ihre Forschungsarbeit austauschen können. Ziel ist die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlern, die sich mit Fragen der Tiere beschäftigen, insbesondere in den Disziplinen der Literaturwissenschaften (Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Ältere Philologien usw.), der Philosophie und Geschichtswissenschaft, der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft usw. Der (interdisziplinäre) Austausch soll gefördert und darüber hinaus eine Plattform für Tierdenker geschaffen werden, die sich explizit an den Interessen von Nachwuchsforschern orientiert. Geplant ist die Einrichtung einer Homepage und einer Mailingliste zur Vernetzung und Diskussion, zur Bildung von Interessengruppen und zum Austausch von Material. Das Nachwuchsforschernetzwerk ist offen für Beteiligte aus den unterschiedlichen Fachrichtungen und baut auf die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Formaten durch alle Mitglieder.
Nachwuchsforschernetzwerk Cultural and Literary Animal Studies
Alexander Kling, Esther Köhring
Prof. Dr. Roland Borgards
Institut für deutsche Philologie
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte
Universität Würzburg
netzwerk-clas@germanistik.uni-wuerzburg.de
Aktueller Download
Call for Papers: literaturwissenschaftliches Kolloquium |
Materialien
Reader zum ersten Arbeitstreffen |

