Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies 2014

22.-27.9.2014

"Zoologische Ästhetik"

 

  

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1.       Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies, gefördert von der VolkswagenStiftung


In den Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den letzten Jahren zunehmend Tiere in den Fokus des Interesses gerückt. Die Cultural and Literary Animal Studies verfahren interdisziplinär, sie versammeln so unterschiedliche Forschungsdisziplinen wie Philosophie, Kunstgeschichte, Filmwissenschaft, Literaturwissenschaften, Wissenschaftsgeschichte, Kulturwissenschaft, Biologie, Psychologie, Anthropologie, Geographie, Soziologie und Rechtswissenschaften. Die „Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies“ versammelt diese interdisziplinär gestellten Fragen und geht der historischen und systematischen Position der Tiere in unserer Kultur in drei aufeinander aufbauenden, dabei aber jeweils eigene und eigenständige Schwerpunkte setzenden Jahresthemen nach. Die erste Summer School 2012 galt dem Thema „Nature, Culture, Agency“, die zweite Summer School 2013 der „Politischen Zoologie“. Die Summer School 2014 widmet sich nun der „Zoologischen Ästhetik“. In jedem Jahr wird das Thema durch Keynote Lectures, Workshops zu Tiertheorien und Tierthemen, Podiumsdiskussionen, künstlerische Präsentationen und offene Formate zur Projektentwicklung und –vernetzung untersucht. Die Summer Schools richten sich vorrangig an NachwuchswissenschaftlerInnen, die ein einschlägiges Projekt bearbeiten und das Feld der CLAS gemeinsam mit den WorkshopleiterInnen und Vortragenden – NachwuchswissenschaftlerInnen und WissenschaftlerInnen, die die Grundlagen zu den CLAS gelegt haben – erkunden und entwickeln wollen.

 
2.       Summer School 2014: Zoologische Ästhetik

Im Zentrum des dritten Jahres steht die Frage nach einer Ästhetik der Tiere, und dies in einem doppelten Sinn. Zum einen stellen sich an den Tieren Grundfragen der Ästhetik: Wie erscheinen Tiere im Raum einer formbewussten Wahrnehmung? Wie lässt sich diese Wahrnehmung in eine Repräsentation überführen, die sowohl gegenstandsbezogen bleibt, als auch Möglichkeitsräume auslotet? Und wie lässt sich angesichts des Tieres als Paradigma des Natürlichen so etwas wie ästhetische Autonomie umsetzen? Gegenstand werden hier solche Kunstwerke (Bilder, Filme, Texte, usw.) sein, die nicht nur von Tieren handeln, sondern zugleich mittels der Tiere ästhetiktheoretische Fragen aufwerfen. Die Tiere können so als Reflexionsfiguren des  Ästhetischen erfasst werden. Zum anderen sollen die Tiere auch als aktive Akteure einer eigenen Ästhetik in den Blick genommen werden. Kategorien wie Schönheit, Pracht, Design usw. werden in der Zoologie immer wieder diskutiert. Daraus ergibt sich ein mit der ästhetischen Theorie verknüpfter Fragehorizont: Welche Funktion übernimmt die formbewusste Wahrnehmung bei den Tieren? Wo werden in der Tierwelt Mechanismen der Nachahmung wirksam, die über die reine Verhaltenskopie hinaus explorativ neue Möglichkeiten erkunden? Wo geht das Verhalten der Tiere nicht in reiner Funktionalität auf, sondern verweist auf spielerische Freiheit? Von Interesse sind hier ethologische Forschungen, die nicht nur Tierverhalten beschreiben, sondern zugleich ihre eigenen Beschreibungskategorien reflektieren. Am Horizont der Summer School 2014 – und damit nach drei Jahren der gemeinsamen Arbeit an methodischen und inhaltlichen Fragen - steht damit die Frage nach einer disziplinenübergreifenden Theorie der Cultural and Literary Animal Studies, die neben den Kulturwissenschaften auch Natur- und Sozialwissenschaften betrifft und herausfordert.

Die Keynote-Vorträge der CLAS Summer School 2014 richten sich auf je eine prominente Position aus den Kunstwissenschaften (Giovanni Aloi, Chicago/London) und der Literaturwissenschaft (Eva Geulen, Universität Frankfurt a. M.). Die natur- und kulturwissenschaftliche Debatte wird zwischen dem Evolutionsbiologen Volker Sommer (University College London/UK) und der Kunst- und Kulturhistorikerin Julia Voss (Frankfurt a. M.) ausgetragen. Am  Tierkunstabend widmet sich der Philosoph und Interspecies-Komponist David Rothenberg (USA) der Musik der Tiere; eingeführt und moderiert wird seine Präsentation durch den Musikwissenschaftler Martin Ullrich (Hochschule für Musik Nürnberg). In den Theorieworkshops stehen grundlegende Positionen zur „Zoologischen Ästhetik“  zur Diskussion. Drei parallel laufende Themen-Workshops vertiefen schließlich exemplarische Fragestellungen:

A)     Zoo/Film (Sabine Nessel, Christina May): In Zoos und Filmen werden lebende Wildtiere für ein breites Publikum sichtbar, auf geringer Distanz und ohne Gefahr. Zoolandschaften und Tierfilme kontextualisieren Tiere motivisch und vermitteln über die formale Organisation von Blicken, Bewegungen und Geräuschen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren. Neben den Rezeptionsmöglichkeiten für die menschlichen Betrachter stellt sich die Frage nach der Transposition des Tierhabitats in konstruierte Filmräume oder Zoobauten. Im Workshop wird mithilfe von filmischen und architektonischen Fallbeispielen die Medialisierung von Zoo- und Filmtieren und die Authentizität ihrer Körper und Umwelten analysiert und diskutiert.

B)     Wild/Bild (Jessica Ullrich, Mareike Vennen): Wildheit als das Unzivilisierte, Ungezügelte, Fremde gehört zu den basalen kulturellen Zuweisungen von Animalität – entweder als negative Figur der Ab- und Ausgrenzung oder als positive Eigenschaft des Animalischen mit produktiver Wirkmacht. Ausgehend von den ästhetischen Darstellungsformen von ‚Wild(heit)’ sowie von den materiellen und medialen Bedingungen und Praktiken dieser Bildwerdung befragt der Workshop den Blick auf ‚wilde Tiere’ im Bild sowie in (performativen) Schauanordnungen und ihren (Objekt- bzw. Subjekt-)Status. Dabei geht es auch um „Wildheit“ als Form tierlichen Widerstands gegen Repräsentationsdispositive: Wie blicken die Tiere aus dem Bild zurück und wie verweigern sie sich gegebenenfalls ihrer Bildwerdung?

C)    Schreiben/Dichten (Roland Borgards, Martina Wernli): Der Workshop sucht die Tiere dort auf, wo sie in ihrer konstitutiven Rolle für die Literatur erscheinen: beim Schreiben mit der Feder (sowohl als materielle Praxis als auch in literarischen Inszenierungen des Federschreibens); in theriologischen Poetiken, die Dichtung und Metapher von den Tieren her denken (von Aristoteles über Hofmannsthal bis Coetzee); in fiktiven Tierautobiographien, in denen sich Autorschaft und Animalität kreuzen (von Kater Murr bis Rotpeter). Schließlich wird zu fragen sein, ob es darüber hinaus so etwas wie eine eigenständige tierliche Autorschaft geben kann (z.B. in Anschluss an die politische Tiertheorie bei Derrida oder bei Donaldson/Kymlicka).

 

Weitere Informationen:
Opens window for sending emailnetzwerk-clas@germanistik.uni-wuerzburg.de


Würzburg Summer School for Cultural and Literary Animal Studies, gefördert von der VolkswagenStiftung
Prof. Dr. Roland Borgards, Alexander Kling und Esther Köhring
Institut für deutsche Philologie, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte
Universität Würzburg
Am Hubland
97074 Würzburg