Intern
    Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte

    Forschungsschwerpunkte:

    • Cultural and Literary Animal Studies
    • Theater und Wissen
    • Intermedialität von Theater und Literatur, jenseits des Dramas
    • Literaturtheorie
    • Dingtheorie
    • Neuere Formen des Dokument(ar)theaters

    Aktivitäten:

    • Leitung des Nachwuchsforschernetzwerks Cultural and Literary Animal Studies; Organisation von Tagungen, Summer Schools und Vernetzungstreffen
    • Ständiger Gast im BMBF-Verbundprojekt "Parerga und Paratexte - Wie Dinge zur Sprache kommen. Praktiken und Präsentationsformen in Goethes Sammlungen"

    Promotionsprojekt
    Theatralisieren, Experimentalisieren, Bestiarisieren - Tiere auf Bühnen des Wissens

    Das Projekt widmet sich Tieren auf Bühnen des Wissens, auf Theater­büh­nen, in Tiertheorien, in Theatertheorien und in Tierexperimenten, und nimmt sowohl die Theaterpraxis und -ästhetik als auch die Theater- und Kulturtheorie in den Blick, also das Objekt und seine Thematisierung. Es geht der These nach, dass das Tier in beiden Bereichen eine Aporie darstellt, die systematisch und historisch einen blinden Fleck des Theaters bestimmt, der wiederum konstitutiv mit der Frage des Tiers zu tun hat. Über Tiere nachzudenken, heißt sowohl über ein Spezialproblem des Theaters nachzudenken, als auch über die Konstitution von Theater und Theaterwissenschaft. Es liegt etwas im Tier (bzw. im Umgang mit den Tieren, wozu auch Theorie gehört) was nicht nur den Anthropozentrismus der Theaterpraxis angreift, sondern auch jenen der Theaterwissenschaft.

    Das Projekt zielt in diesem Sinne auf eine Hinterfragung theaterwissenschaftlicher Modellierung mit Ansätzen der Cultural and Literary Animal Studies und der Poetologien des Wissens. Ausgehend von der These, dass Theater eine kulturelle Praxis des Umgangs mit dem Tier ist, die nicht abgeschlossen gegenüber anderen kulturellen Praktiken ist, werden die Kreuzungspunkte zwischen den Wissensorten Theaterbühne, Tierexperiment, Tiertheorie und Theatertheorie in systematischer und historischer Hinsicht untersucht, mit epistemologischen, ästhetischen und ethischen Perspektivierungen. Damit ermöglichen die Tiere, die diese Orte materiell-semiotisch verbinden, eine nicht mehr nur metaphorische Sprechweise vom „Experimentellen Theater“.

    Angestrebt wird keine vollständige Darstellung der Geschichte der Bühnentiere. Vielmehr sollen in einer Reihe von Analysen Tiere auf Bühnen vom Objekt zur Analysekategorie umgewendet und als Figuren der aktiven Wissensübertragung fassbar gemacht werden. Sowohl diese Umwendung als auch die Konstruktion eines systematisch-idiosynkratischen Korpus, in dem die Spannung zwischen singulärem Tier und Beispiel als ein konstitutives Problem der Tiertheorie wie der Theaterästhetik nicht ignoriert, sondern thematisiert wird, machen eine ständige Reflektion der Methode notwendig. Daher wurde ein Bestiarium als selbstreflexive Methodik entwickelt, in dem nicht zwischen echten und repräsentierten Tieren, sondern heuristisch zwischen Theorie- und Pragmatieren unterschieden wird.

    Analysiert werden Tiere auf verschiedenen Bühnen: in Arbeiten der performativen Künste, in naturwissenschaftlichen Experimentalanordnungen und in Tiertheorien. Das Material stammt aus dem Zeitraum 1950 bis heute und umfasst sowohl kanonische Werke, etwa von Beuys und Beckett, als auch neuere, noch kaum rezipierte Arbeiten. In allen Fällen soll die Analyse durch die Fokussierung auf die Tiere neue interpretatorische Aspekte aufdecken, zugleich aber jeweils eine spezifische Eigenschaft des Materials als Facette des Phänomens Theatertier für dessen systematische Rekonstruktion als Theatralisationstier verfügbar machen.

    Kontakt

    Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte
    Am Hubland
    97074 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-85640
    E-Mail

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    Hubland Süd, Geb. PH1