Intern
    Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte

    Stilmittel



    ACHTUNG: Die nachfolgende Liste (Entstehunggeschichte siehe ganz unten auf der Seite!) wird seit dem Sommersemester 2008 nicht mehr "gepflegt", d.h. es werden keinerlei Korrekturen, Modifikationen, Verbesserungen oder weitere Beispiele mehr verzeichnet. - Die aktualisierte Version steht nur noch den offiziell angemeldeten Studierenden meiner eigenen Lehrveranstaltungen innerhalb von wueCampus zur Verfügung.

    RHETORISCHE FIGUREN


    Alliteration

    Stabreim; Gleichklang im Wortanlaut; Gleichheit der Anfangslaute, besonders von Konsonanten, von mindestens zwei aufeinanderfolgenden oder benachbarten Wörtern einer syntaktischen Einheit

    · "mit Kind und Kegel", "Haus und Hof", "mit Mann und Maus", "über Stock und Stein"

    · Milch macht müde Männer munter

    · Laut und Luise (Jandl)

    · Da drin: das träge Treten ihrer Tatzen (Rilke)

    · Komm Kühle, komm küsse den Kummer/ Süß säuselnd von sinnender Stirn (Brentano)

    · Waffenlos bin ich: / dem wunden Gast / wird dein Gatte nicht wehren (R. Wagner)

    · Wort' und Werke (Goethe)

    · Wiegende Wellen (v. Stollberg)

    · Mit jedem jungen Jahr (Schiller)

    · Stock, der du gewesen, / steh doch wieder still! (Goethe)

    · Gönnt, ihr Gewaltigen [...] das Heil'ge, das am / Herzen mir liegt (Hölderlin)

    · Der frechen Völker (Gryphius)

    · Klinge, kleines Frühlingslied (Heine)

    · Der Leib wird leichter (Brecht)

     

    Anadiplose (Anadiplosis)

    "Verdoppelung": Das letzte Wort eines Satzes/Satzteils/Verses ist gleich dem Anfangswort des folgenden. Erzeugt den Effekt eines rhetorischen Echos mit einem Ansteigen/Bedeutungszuwachs bei der Wiederholung.

    · Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn/ Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen (Schiller)

    · Es fiel ihm ein, daß er schon seit Jahren einsam war. Einsam war er seit dem Augenblick gewesen [...] (Roth)

    · Nicht der Frühling kann dir's geben. / Geben musst dem Frühling du (Rückert)

    · Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen, / Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen (Goethe)

     

    Anakoluth

    Satzbruch: eine Satzkonstruktion wird anders fortgeführt als sie begonnen wurde.

    · Sie ist wieder in der Stadt bei einer Freundin. Und Albert – und – ich muß fort! (Goethe)

    · deine Mutter glaubt nie, daß du vielleicht erwachsen bist und kannst allein für dich aufkommen (Johnson)

    · Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend,/ Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust (Kleist, Penthesilea)

     

    Anapher

    Übereinstimmung eines oder mehrerer Wörter an den Anfängen mindestens zweier Teilsätze, Sätze, Verse oder Absätze.

    · O Mutter! Was ist Seligkeit?/ O Mutter! Was ist Hölle? (Bürger)

    · Wer nie sein Brot mit Tränen aß,/ Wer nie die kummervollen Nächte.... (Goethe)

    · Heute kömmst du nicht lieb Liebchen,/ Heute nicht, doch harr' ich deiner (Brentano)

    · Auch ich war in Arkadien geboren, / Auch mir hat die Natur / An meiner Wiege Freude zugeschworen (Schiller)

    · Liebe, die du mich zum Bild [...]/ Liebe, da du mich erkoren [...]/ Liebe, die für mich gelitten (Scheffler)

    · Entreiß dich, Seele nun der Zeit;/ Entreiß dich deinen Sorgen

    · Wo ist denn nun mein Ehrgeiz hin,/ wo sind die flüchtigen Gedanken (J. C. Günther)

    · Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?/ Was ist die Welt und ihre ganze Pracht? (Hoffmannswaldau)

    · Hör auf hier zu predigen,/ hör auf mit der Laberei (Grönemeyer)

    · Willkommen liebe Sommerszeit,/ willkommen schöner Mai

     

    Antiklimax

    Gegenteil einer Klimax: "abfallende Steigerung"

    · Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen (Goethe)

    · Und um den Papst zirkulieren die Kardinäle. Bischöfe. Und um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre (Brecht)

    · Doch will ich erretten mein Gewissen und mein Maul frei auftun, es verdrieße Papst, Bischof oder wen es will. (Luther)

    · Auf dem Throne, im Palaste, in der Hütte (Bürger)

    · Urahne, Großmutter, Mutter und Kind (Gustav Schwab)

     

    Antithese

    Gegenüberstellung gegensätzlicher Begriffe und Gedanken in einem Satz oder einer Satzfolge ohne logischen Widerspruch.

    · Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein. (Gryphius)

    · Ein Teil von jener Kraft,/ die stets das Böse will und stets das Gute schafft. (Goethe)

    · Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß. (Opitz)

    · Mein Herz, mein Herz ist traurig, / Doch lustig leuchtet der Mai (Heine)

    · Zum Kampfe muss er sich bereiten, / Doch bald ermattet sinkt die Hand (Schiller)

    · Der Tod, das ist die kühle Nacht, / Das Leben ist der schwüle Tag (Heine)

    · Und eh du förder gehst, so geh in dich zurück (Flemming)

    · Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden (Gryphius)

    · Wir Modernen, wir gehn erschüttert, gerührt aus dem Schauspiel; Mit erleichterter Brust hüpfte der Grieche heraus (Goethe)

     

    Aposiopese

    Rhetorische Figur des bewußten Abbrechens der Rede vor der entscheidenden Aussage, die der Hörer oder Leser aber ergänzen kann.

    · Am liebsten würde ich dich...

    · Wenn ich an den letzten Krieg denke... - aber lassen wir das.

    · Was! Ich? Ich hätt ihn -? Unter meinen Hunden -?/ Mit diesen kleinen Händen hätt' ich ihn -? (Kleist)

    · Drei Jahre sind's... Auf einer Hugenottenjagd... / Ein fein, halsstarrig Weib... (Meyer)

     

    Apostrophé

    Vorwiegend in der Dramatik die Abwendung des Redners, der Figur bzw. des Dichters vom anwesenden Publikum und Hinwendung zu einem zweiten – imaginären – Publikum oder zu anderen, meist abwesenden (auch toten) Personen oder Dingen.

    · Oh, ihr Musen!

    · Für was hängt's denn da droben, ihr dummen Wolken, wenn's nicht blitzen könnt's zur rechten Zeit! (Nestroy)

    · Und lieben, Götter, welch ein Glück! (Goethe)

    · O Welt, ich muß dich lassen.

    · Zephyr, nimm's auf deine Flügel (Goethe)

    · Helft, ihr Musen, / Tragen das Glück! (Goethe)

    · Ihr wandelt droben im Licht / Auf weichem Boden, selige Genien! (Hölderlin)

    · Göttin Freude, du selbst! (Klopstock)

    · Freude schöner Götterfunken, / Tochter aus Elysium (Schiller)

    · Tage der Wonne, / kommt ihr so bald? (Goethe)

    · O flammenleichte Zeit der dunklen Frühe! (Mörike)

    · Willkommen, klare Sommernacht (Keller)

    · Fetter grüne du Laub (Goethe)

    · Fließe, fließe lieber Fluss (Goethe)

    · Saget, Steine, mir an, o sprechet, ihr hohen Paläste! (Goethe)

    · O Täler weit, o Höhen, / O schöner, grüner Wald (Eichendorf)

     

    Archaismus

    Rückgriff auf veraltete Wörter, Sprach- oder Stilformen

    · Wie weiland die alten Römer.

    · Ich ästimiere das nicht (Torberg)

    · O holde Lady Di,/ wie ging dein Glück entwei.

    · Fechterschar, im bittren Harme, Hünenschwert, der Skalden Preis (Uhland)

     

    Assonanz

    Binnenreim: Gleichklang nur der Vokale in 2 oder mehreren Wörtern (vokalischer Halbreim), vom letzten Akzent an.

    · Unterpfand – wunderbar.

    · Atem – schlafen.

    · Büschen – verblühen.

    · Da hat kein Neid der Reizung wiederstrebt

    · ottos mops trotzt / otto: fort mops fort / ottos mops hopst fort (Jandl)

    · Wehe! wehe! Beide Teile / stehn in Eile (Goethe)

    · Musst du den Schuh (Bachmann)

    · Unter des Grünen / Blühender Kraft / Naschen die Bienen / Summend im Saft (Goethe)

    · Durch die Nacht, die mich umfangen, / Blickt zu mir der Töne Licht (Brentano)

     

    Asyndeton

    Reihung gleichgeordneter Wörter, Satzteile oder Sätze ohne verbindende Konjunktion.

    · Alles rennet, rettet, flüchtet (Schiller)

    · Mord! Zetter! Jammer/ Angst / Creutz! Marter Würme! Plagen. (Gryphius)

    · Es muss auf unser Fragen ein Vieh, ein Baum, ein Bild, ein Marmor Antwort sagen (Gryphius)

    · Stehlen, morden, huren, balgen – Heißt bei uns nur die Zeit zerstreuen. (Schiller)

    · Rufts, trank, dürstete, bebte, ward bleicher, blutete, rufte (Klopstock)

    · Gelassen stieg die Nacht ans Land,/ lehnt träumend an der Berge Wand (Mörike)

     

    Chiasmus

    Überkreuzstellung syntaktischer oder gedanklicher Elemente

    · Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!/ Und lieben, Götter, welch ein Glück! (Goethe)

    · Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben. (Goethe)

    · Dies, große Weisheit, dank ich dir,/ Dies dank ich dir, du süße Liebe. (Johann Christian Günther)

    · Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. (Schiller)

    · Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. (Schiller)

    · Ich weiß nicht was ich will / ich will nicht was ich weiß (Opitz)

    · Die Sonne, sie leuchtet; sie schattet die Natur (Bürger)

    · Zeit ist wie die Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit (Scheffler)

    · Hoch auf strebte mein Geist, aber die Liebe zog / Bald ihn nieder (Hölderlin)

    · Das schwarze Geheimnis ist hier, hier ist das schwarze Geheimnis (Gomringer)

     

    Ellipse

    Auslassung mindestens eines (zum Verständnis nicht unbedingt nötigen, aber in vollständiger schriftsprachlicher Syntax erforderlichen) Satzglieds.

    · Woher so in Atem?

    · Was (machen wir) nun?

    · Je schneller (du kommst), desto besser (ist es).

    · Wind ist der Welle / Lieblicher Buhler (Goethe)

    · Sommer hat mit leichter Hand / Laub der Pappel angenäht (Krolow)

    · Sah ein Knab ein Röslein stehn (Goethe)

    · Fliegen im Juni auf weißer Bahn / Flimmernde Monde vom Löwenzahn (Huchel)

    · Trank nie einen Tropfen mehr (Goethe)

    · Freute sich des Tals noch einmal (Brecht)

    · Selig, wer sich der Welt / ohne Hass verschließt (Goethe)

    · Keine Luft von keiner Seite! / Todesstille fürchterlich! (Goethe)

    · In die Ecke, / Besen! (Goethe)

    · Ich dich ehren? Wofür? Müsst mir meine Erde / Doch lassen stehn (Goethe)

    · Nun schon wieder / Den eratmenden Schritt / Mühsam Berg hinauf. / Auf denn, nicht träge denn! / Strebend und hoffend an. (Goethe)

    · Verfluchtes Jahrhundert! Chaotisch! Gesanglos! Ausgehängt du Mensch, magerster der Köder, zwischen Qual Nebel-Wahn Blitz (Becher)

     

    Epanalepse

    sehr unterschiedlich definiert:

    Wilpert, Meid, Gutzen/Oellers/Petersen: Wiederaufnahme, Gemination: Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Satzanfang unmittelbar nacheinander oder nach Zwischenschaltung eines Wortes

    dagegen:

    Kolmer/Rob-Santer: = Kyklos ("Kreis") = Wiederholung desselben Wortes am Satz(teil)- bzw. Versanfang und -ende

    Gfrereis: Wiederaufnahme eines Wortes/Satzteils innerhalb eines Verses/Satzes, jedoch nicht unmittelbar aufeinanderfolgend wie bei der Gemination (Gott, Gott erbarmt sich unser)

    · Und atmete lang und atmete tief (Schiller)

    · Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an (Goethe)

    · Bei ihm, bei ihm ist Seeligkeit (Bürger)

    · Und ein Genuß war's jedesmal auf's neue, ein noch nie dagewesener Genuß (Torberg)

    · Voran, voran, nur immer im Lauf (Droste-Hülshoff)

    · Schweig stille, mein Herz, schweig stille (Mörike)

    · Laß sausen durch den Hagedorn,/ Laß sausen, Kind, laß sausen! (Bürger)

     

    Epipher

    Rhetorische Figur der Übereinstimmung eines oder mehrerer Wörter an den Schlüssen mindestens zweier Teilsätze, Sätze oder Absätze, im Gegensatz zur Anapher

    · Doch alle Lust will Ewigkeit –,/ – will tiefe, tiefe Ewigkeit! (Nietzsche)

    · Willst du hinein,/ ins Herz, einsteigen,/ in meine heimlichsten/ Gedanken einsteigen? (Nietzsche)

    · Ansahen sich die Männer von Mahagonny. Ja, sagten die Männer von Mahagonny. (Brecht)

    · Auch Penthesilea lebt doppelt, begreift sich doppelt. (Kleist)

    · Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht. (Schiller)

    · Sturm und Meeresgefährde trifft nie/ Dich den Klugen, der geschifft nie;/ Wer in Furcht sogar den Wein scheut,/ trinkt das eingemischte Gift nie. (Platen)

     

    figura etymologica

    Wortspielerische Verbindung zweier oder mehrerer Wörter des gleichen Stamms (im Unterschied zur Paronomasie, dort Wörter von unterschiedlichem Stamm)

    · gar schöne Spiele spiel' ich mit dir (Goethe)

    · An mir ist minder nichts, das lebet, als mein Leben (Paul Fleming)

    · einen schweren Gang gehen, einen schweren Kampf kämpfen, ein schönes Leben leben, eine gute Tat tun

    · betrogene Betrüger

    · der schrecklichste der Schrecken

    · Liebliche Schwester, / Liebchen ist da! (Goethe)

    · Es hungert den Hunger, es dürstet den Durst (Bürger)

    · Das Sagbare sagen / das Erfahrbare erfahren (Heißenbüttel)

    · Alles aussteigen / aussteigen / aus (Enzensberger)

     

    Hendiadyoin

    Wiedergabe einer Vorstellung durch zwei gleichwertige, mit "und" verbundene Wörter (meist Substantive, selten Verben), wobei die Nebenordnung die gedanklich logische Unterordnung ersetzt; Beiordnung von zwei Substantiven, derern eines nur den Wert eines Attributs besitzt und oft durch ein Adjektiv ersetzt werden kann

    · aus Schalen opfern wir und aus Gold [für: aus goldenen Schalen] (Vergil)

    · mir leuchtet Glück und Stern [für: Glücksstern] (Goethe)

    · all ihr Bitten und Flehen half nichts [für: flehentliches Bitten]

     

    Hypotaxe

    syntaktische Unterordnung von Satzgliedern im Unterschied zur Bei-, Gleich- oder Nebenordnung (Parataxe); bei Häufung: hypotaktischer Stil

    · Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten" (Claudius)

    · Er zeigte mir alle Gewächse dieser Art, besonders den peruvianus, welcher wirklich eine prachtvolle Pflanze geworden war, er verbreitete sich über die Behandlung dieser Gewächse während des Winters, sagte, dass mancher schon im Hornung blüht, dass nicht alle eine gewisse Kälte vertragen, sondern in der wärmeren Abteilung des Hauses stehen müssen, besonders verlangen dieses viele Cereusarten, und er ging dann auf die Einrichtung des Hauses selbst über, und hob es als eine Vorzüglichkeit heraus, dass der Herr für jene Stellen, an denen die Gläser übereinander liegen, ein so treffliches Bindemittel gefunden habe, durch welches das Hereinziehen des Wassers an den übereinander gelegten Stellen des Glases unmöglich sei, und das diesen Pflanzen so nachteilige Herabfallen von Wassertropfen vermieden werde. (Adalbert Stifter, Der Nachsommer)

     

    Inversion

    Abweichende Wortstellung.

    · Sah ein Knab’ ein Röslein stehn (Goethe)

    · Unendlich ist die jugendliche Trauer (Novalis)

    · Ich höre des gärenden Schlammes/ Geheimnisvollen Ton (Storm, Meeresstrand)

    · An's Haf nun fliegt die Möwe (Storm, Meeresstrand)

    · Nicht in den Ocean der Welten alle will ich mich stürzen

    · Müde bin ich geh zur Ruh (Hensel)

    · Mich liebe von ganzem Gemüte (Gellert);

    · von des schimmernden Sees Traubesgeschwaden her (Klopstock)

     

    Isokolon

    siehe Parallelismus

     

    Klimax

    Anordnung einer mindestens dreiteiligen Wort- oder Satzreihe nach stufenweiser Steigerung des Aussageinhalts oder der Aussagekraft.

    · Wie habe ich ihn nicht gebeten, gefleht, beschworen. (Lessing)

    · "veni, vidi, vici"

    · Gut, besser, Paulaner.

    · Meine Knie - meine Sinne - meine Kraft - ich bin tot! (Nestroy, Der Zerrissene)

    · "How do you spell it?" lautete die unvermeidliche, die ernierdrigende, die inbrünstig gehaßte Frage (Torberg, Tante Jolesch)

    · Heute back' ich, morgen brau' ich, übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind. (Gebrüder Grimm)

    · Die von der großen Schuld der Zeiten / Minuten, Tage, Jahre streicht (Schiller)

    · Tapfer ist der Löwensieger, / Tapfer ist der Weltenbezwinger, / Tapfrer, wer sich selbst bezwang (Herder)

     

    Onomatopoesie

    Auch: Onomatopoiie. - Lautmalerei; klangliche Nachahmung, meist eines Lautes aus der Natur; vermittelt einen direkten sinnlichen Eindruck.

    · bei Einzelwörtern: summen, kläffen, miauen, Kuckuck, lispeln, Getrappel, klirren

    · Und es wallet und siedet und brauset und zischt. (Schiller)

     

    Parallelismus (Isokolon)

    gleiche Anordnung von syntaktisch korrespondierendem Wortmaterial auf der Ebene der Satzfolge, des Satzes, des Teilsatzes oder des Satzteils.

    · O Mutter! Was ist Seligkeit? O Mutter! Was ist Hölle? (Bürger)

    · Wer wärmt mich, wer liebt mich noch? (Nietzsche)

    · als ich noch ein Kind war, redte ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind

    · Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident! (Goethe)

    · Die Leidenschaft flieht, / Die Liebe muss bleiben; / Die Blume verblüht, / Die Frucht muss treiben (Schiller)

    · In der Nacht mit meinem Kummer / lieg' ich schlaflos wach; / Träumend, wie im halben Schlummer, /Wandle ich bei Tag (Heine)

    · Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein (Gryphius)

    · Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm (Goethe)

    · Willt's am Ende / Gar nicht lassen? Will dich fassen, / Will dich halten (Goethe)

    · O Haupt voll Blut und Wunden, / Voll Schmerz und voller Hohn! / O Haupt, zum Spott gebunden / Mit einer Dornenkron! / O Haupt, sonst gezieret / Mit höchster Ehr und Zier (Gerhardt)

    · Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floß / und fahren den Himmel hinunter? / Mein lieber Bruder, bald ist die Fracht zu groß / und wir gehn unter. / Mein lieber Bruder, wir zeichnen aufs Papier (Bachmann)

     

    Parataxe

    syntaktische Bei-, Gleich- oder Nebenordnung von Satzgliedern im Unterschied zur Unterordnung (Hypotaxe); bei Häufung: parataktischer Stil.

    · Der Mond ist aufgegangen/ Die goldnen Sternlein prangen/ Am Himmel hell und klar;/Der Wald steht schwarz und schweiget/und aus den Wiesen steiget/Der weiße Nebel wunderbar; (Claudius)

    · Es ist heller Mittag, und es ist schön. Das Haus ist weiß. An der Seite steht ein Stall. Auch der Stall ist weiß. Und hier ist der Garten. Ein Stückchen den Berg hinunter steht schon das nächste Gehöft, und dann kommt das Dorf, am Fluss entlang, und die Chaussee biegt heran und geht vorbei und noch einmal auf den Fluss zu und wieder zurück in den Wald. Es ist schön. Und es ist heller Mittag. Unter dem Apfelbäumchen dreht sich die alte Frau. Sie schwenkt die bloßen Arme. Liebe Sonne, brenn mich, brenn mich. (Johannes Bobrowski, Brief aus Amerika)

     

    Parenthese

    grammatisch selbständiger Einschub in einen Satz, ohne jedoch dessen grammatische Ordnung zu verändern.

    · So bitt ich - ein Versehn wars, weiter nichts - / Für diese rasche Tat dich um Verzeihung.

    · Eduard - so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter - Eduard hatte [...] (Goethe, Wahlverwandtschaften)

     

    Paronomasie

    Wortumbildung zur Erreichung eines Nebensinns: Wortspiel, das auf einer Klangähnlichkeit von Wörtern unterschiedlichen Stamms beruht (im Unterschied zur figura etymologica, dort Wörter des gleichen Stamms)

    · Eile mit Weile

    · Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom, [...], die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer... (Schiller)

    · Die Zeit ist, was ihr seyd, und ihr seyd, was die Zeit/ Nur daß ihr Wenger noch, als was die Zeit ist, seyd. (Paul Fleming)

     

    Polyptoton

    Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen Flexionsformen in syntaktischer Verbindung.

    · das Buch der Bücher

    · summa summarum

    · Ob sich das Herz zum Herzen findet (Schiller)

    · Und rot und immer röter/ Wird nun die tiefe Flut (Brentano)

    · [...] das mußte und muß ich zugeben [...] (Torberg)

     

    Polysyndeton

    eine durch ungewöhnlich häufige Wiederholung derselben Konjunktion (oder durch mehrere bedeutungsgleiche Konjunktionen) verbundene, koordinierte Wort- oder Satzreihe

    · Und es wallet und siedet und brauset und zischt (Schiller)

    · und wiegen und tanzen und singen dich ein (Goethe)

    · Wie es von Salamandern und Molchen und Drachen sich rege (Schiller)

    · Einigkeit und Recht und Freiheit (v. Fallersleben)

     

    Rhetorische Frage

    eine Frageform, die keine Antwort erwartet. Sie dient lediglich dazu, eine Aussage stärker zu betonen oder eine implizite, unausgesprochene Verneinung zu erzeugen.

    · Es wurden Christo und seinen Aposteln ihre Wort verkehret, sollten sie denn nicht auch mir meine Wort verkehren? (Luther)

    · Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? (Schiller)

    · Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet? (Büchner)

    · Wie heißt König Ringangs Töchterlein? / Rohtraut, Schön-Rohtraut. / Was tut sie denn den ganzen Tag, / [...] ? / Tut fischen und jagen. (Mörike)

    · Wollen Sie wirklich von der Großzügigkeit Ihrer Kinder abhängig sein?

    · Bin ich etwa dein Knecht? (Werbung)

     

    Zeugma

    Zuordnung eines Satzgliedes zu zwei syntaktisch oder auch semantisch inkongruenten Satzteilen.

    · Er saß ganze Nächte und Sessel durch (Jean Paul, Siebenkäs)

    · Und 57.600 Bewohner verlassen Kirche und Glauben. (Erich Kästner)

    · Josefine ging ins Kloster und dort zu weit.

    · Er hob ein Bein und den Blick gen Himmel. (Sterne)

    · Er schlug die Stühl' und Vögel tot (Hoffman)

    · Er warf die Zigarre in den Aschenbecher und einen Blick aus dem Fenster.

    · Er nahm die Koffer und Abschied von ihr.

    · Damit schloß er sowohl die Türe als auch die Gratulation. (Torberg)

    TROPEN:

    Allegorie

    ein abstrakter Begriff wird aufgrund einer konventionalisierten Zuordnung durch ein Konkretum substituiert, in sprachliche oder visuelle Bildzeichen oder Bildfolgen verschlüsselt: eine "fortgeführte Metapher".

    Die Allegorie ist also eine bildliche Darstellung eines Gedankens bzw. eines Begriffs. Sie wird oft vom Symbol dadurch abgegrenzt, daß sie im Gegensatz dazu nicht nur das 'bedeutet', was sie darstellt, sondern es geradezu 'ist'. Dies wird besonders offensichtlich, wenn die Allegorie als Personifikation auftritt.

    · Beispiele: Justitia als Frauengestalt mit Waage, Augenbinde und Schwert; der Staat als Schiff, die Liebe als Amor; Knochengerüst mit Stundenglas und Sense als Tod; Seefahrt = Leben, Schiff = Mensch, Kompass = Gewissen, Klippen = Gefahren.

     

    Antonomasie

    1. Umschreibung eines Eigennamens durch besondere, meist stereotyp zugeordnete Kennzeichen.

    2. Ersetzung einer Gattungsbezeichnung durch einen typisierenden Eigennamen.

    · "der Dichterfürst" für Goethe, "der Korse" für Napoleon, "Der Alte von Sanssouci" für König Friedrich II. von Preußen.

    · "Judas" für Verräter.

     

    Allusio

    Anspielung: implizite Bezugnahme auf einen Text, ein Kunstwerk, Geschichtliches, Personen etc.

    · Auch du, mein Lohn brutto!

     

    Bild

    allgemeiner Begriff für tropisches, uneigentliches Sprechen

     

    Chiffre

    ein Ausdruck und ein konterdeterminierender Kontext sind autorspezifisch so miteinander verbunden, daß ohne Hintergrundinformationen zwischen dem uneigentlichen Ausdruck und einem eigentlich gemeinten Bereich allein in einem Einzeltext keine hinreichend klaren Äquivalenzbeziehungen hergestellt werden können. Gelegentlich auch als absolute Metapher bezeichnet.

    · Diese Musik, ein Sternträger schwieliger Schwärze, wird uns noch lange verfolgen.

    · "blaues Klavier" für das poetische Lied bei Lasker-Schüler

    · "Stadt" bei Trakl für Hoffnungslosigkeit

     

    Emphase

    1. Tropus der Ersetzung eines Begriffs oder Gedankeninhalt durch ein Wort, das diesen Begriff oder Gedankeninhalt unausdrücklich auch enthält. Z.B. "Er ist ein Mensch" anstelle von "Er hat sich geirrt". 2. Allgemein Bezeichnung für nachdrückliche Rede, z.B. "Ein Mann steht vor dir!" (Schiller)

     

    Euphemismus

    Beschönigung, Schönfärberei

    · "Freisetzung von Arbeitskräften" für "Entlassung"

    · "Null-Wachstum"

    · "ableben", "entschlafen", "von uns gehen" für "sterben"

     

    Hyperbel

    "Wurf über das Ziel": Extreme und offensichtlich unglaubwürdige Über- oder Untertreibung

    · Ein Schneidergeselle, so dünn, daß die Sterne durchschimmern konnten. (Mann)

    · Ich sitz in tausend Schmerzen. (Gryphius)

    · Schöne Frauen/Männer gibt es wie Sand am Meer.

     

    Ironie

    Verstellung: Bezeichnung eines Sachverhalts durch sein Gegenteil

    · man weiß, um welcher Tugend willen/ Anna von Boleyn das Schafott bestiegen. (Schiller)

    · Du bist mir ein schöner Freund.

     

    Katachrese

    Bildbruch; Verbindung mehrer, jedoch mindestens zweier metaphorischer Ausdrücke aus unvereinbaren Bildbereichen.

    'schlechte Nachahmung', eine unstimmige Metapher bzw. Metaphernverbindung. Sie ist in sich widersprüchlich gefügt, d.h. es kommt zu einer Bildvermengung, einem Verstoß gegen die Einheit eines Bildes durch Vermischung weit auseinanderliegender bzw. nicht zusammenpassender sprachlicher Elemente.

    · Schlüsselbart, Glühbirne, Flaschenhals

    · welke Sonne, strammer Sommer

    · Der Zahn der Zeit, der schon so manche Träne getrocknet hat.

    · Es tut ei'm moralisch das G'nack weh. (Nestroy)

    · Des dunkeln Lichtes voll (Hölderlin)

    · Laß nicht des Neides Zügel umnebeln deinen Geist

    · Die unbelaubten/ Gedanken (Hölderlin)

    · Gleich Krystallen in der Wüste wachsend des Meeres (Hölderlin)

     

    Litotes

    "Schlichtheit"; Verstärkung durch Verneinung des Gegenteils; untertreibende Ausdrucksweise.

    · "nicht unbekannt" für "berühmt"; "nicht unpopulär" für "sehr populär"

    · 'Der Angriff war gar nicht so übel disponiert. (Zweig)

    · Er war nicht gerade ein Held.

     

    Metapher

    Ersetzung eines Ausdrucks durch einen aus einem anderen Vorstellungsbereich, der dennoch semantische Ähnlichkeiten aufweist, im Unterschied zur Metonymie, deren Ersetzung in einer realen Beziehung steht, und der Synekdoché, deren Ersetzung innerhalb desselben Bildfeldes bleibt. In der rhetorischen Tradition auch als verkürzter Vergleich bezeichnet. Z.B. "Luftschiff" für die von Zeppelin konstruierten Flugobjekte.

    Da in der Metapher zwei Dinge nicht verglichen, sondern in eins gesetzt werden, gibt es bei ihr genau genommen kein 'terium comparationis', sondern die unterschiedlichen Bestandteile wirken innerhalb der Metapher mit- und gegeneinander. Man unterscheidet verblaßte Metaphern, die als Tropus konventionalisiert sind ("faule Ausrede") und kühne Metaphern ("schwarze Milch der Frühe").

     

    alternative Definition:

    Um Vergleichspartikel gekürzter Vergleich, aber Verschmelzen der semantischen Einheit von Bildspender und Bildempfänger; dem Empfänger werden Eigenschaften des Spenders zugeschrieben; auch Synästhesie ist eine Form der Metapher; absolute Metapher = rein innersprachliche Referenz ("Zerr dir den Traum vom Stapel" (Celan); zur kühnen Metapher zählt das Oxymoron;

    Möglichkeiten des Verknüpfens von Bildspender und Bildempfänger durch: Prädikation: Hans ist ein Esel; Verbindung von Substantiv und Verb: der Wagen läuft gut; Verbindung von Substantiv und Adjektiv/Partizip: das gewitternde Ohr; zwei Substantive in Apposition: Fundevogel, lieber Reim; zwei Substantive in einem Genitivattribut: der zarte Rücken der Wolken

    · Meer der Vergessenheit (Goethe)

    · meine Seele, ein Saitenspiel (Nietzsche)

    · Das Ebenholz ihrer Haare, der Schnee ihrer Wangen, das Blut ihrer Lippen

    · Ein feste Burg ist unser Gott

    · das lachende Tal

    · die Sonne lacht

    · des Mondes Silber

    · der Flug der Gedanken

     

    Metonymie

    Namensvertauschung: Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen, der in einem realen geistigen oder sachlichen Zusammenhang zu ihm steht. Das verwendete Wort und das ersetzte grenzen noch aneinander. Das eigentliche Wort wird durch ein anderes ersetzt, das zu ihm in realer Beziehung steht, also in einem zeitlichen, räumlichen, ursächlichen, logischen oder erfahrungsmäßigen Zusammenhang im Gegensatz zum bloßen Vergleich bei der Metapher.

    · "Lorbeer" für "Ruhm" oder "Siegespreis"

    · "das Blaue" für "Himmel;

    · Person statt Sache: &quotHomer lesen", &quotden ganzen Goethe aufsagen"

    · Gottheit statt Funktion: "Ares tobt" (mythologische Metonymie)

    · Gefäß statt Inhalt: "der Becher war vergiftet", "ein Glas trinken"

    · Ort statt Personen: "der Saal tobte", "Berlin im Freudentaumel"

    · Organ statt Wirkung: "Herz statt Gefühl"

    · Zeit statt Leute: "das Mittelalter glaubte"

    · Ursache statt Folge: "die Sonne" statt "das Licht der Sonne"

    · Folge statt Ursache: "die blasse Angst"

    · Material statt Produkt: "Eisen" statt "Schwert"

    · Abstraktum statt Konkretum: "die Jugend" statt "die jungen Leute", "Sklaverei" statt "Sklaven", "Waffen" statt "Krieg"

    · Konkretum statt Abstraktum: "das Schwert" statt "der Krieg"

     

    Oxymoron

    das Scharfdumme: Verbindung zweier sich logisch ausschließender Begriffe; (scheinbar) widersprüchliche Aussage

    · traurigfroh, süßsauer

    · alter Knabe

    · beredtes Schweigen

    · jauchzender Schmerz

    · die eisige Glut ihrer Augen

    · Ein dunkler Ehrenmann (Goethe)

    · Des dunkeln Lichtes voll (Hölderlin)

    · Schlummerwachen (Droste-Hülshoff

    · schwarze Milch der Frühe (Celan)

     

    Paradoxon

    "das Unerwartete": scheinbar widersinnige und zunächst nicht einleuchtende, da der allg. Meinung, Erfahrung und Logik widersprechende Behauptung, die sich jedoch bei näherer Betrachtung als richtig erweist

    · Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben.

    · Wer sein Leben findet, der wird es verlieren. (Matth. 10,39)

    · Wo viel Licht ist, ist starker Schatten (Goethe, Götz)

    · Merkwürdig, wie wenig im ganzen die Erziehung verdirbt

    · Weniger ist mehr.

     

    Periphrase

    Umschreibung einer Person, Sache oder eines Begriffs durch mehrere Wörter (z.B. kennzeichnende Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen).

    · "jenes höhere Wesen, das wir verehren" [für Gott] (Böll)

    · "das Land, wo die Zitronen blühen" für "Italien" (Goethe>

    · "den Lebensatem aushauchen" für "sterben" (gleichzeitig Euphemismus)

    · "beide Wohnstätten der Sonne" für "Osten und Westen"

    · "Tag und Nacht" für immer

     

    Personifikation

    auch: "Anthropomorphisierung", Vermenschlichung: Ein Ding oder ein Abstraktum wird wie eine Person behandelt:

    · itzt lacht das Glück uns an (Gryphius)

    · Ein Leben wie im Paradies/ Gewährt uns Vater Rhein (Hölty)

    · Süßer Friede, komm, ach, komm an meine Brust! (Goethe)

    · der Glaube besiegt die Furcht

    · Der Abend wiegte schon die Erde (Goethe)

    · Der Morgen erwacht

    · Die Nacht schwingt ihre Fahn/und führt ihre Sterne auff. (Gryphius)

    · Noch träumen Wald und Wiesen (Mörike)

    · Unheimlich nicket die Föhre (Droste- Hülshoff)

     

    Pleonasmus

    Überfluss: synonymer Zusatz zu einem Wort oder einer Redewendung, das überflüssig ist oder als Stilmittel zur nachdrücklichen Betonung verwendet wird.

    · schwarzer Rappe, weißer Schimmel, alter Greis

    · ich persönlich, mit meinen eigenen Augen

    · letztendlich, neu renoviert, ich wiederhole noch einmal

    · das ist wahrlich wahr (Luther)

     

    Symbol

    Real vorhandenes Sinnbild für einen gemeinten Bereich, das in einem naturhaften oder kulturell vermittelten Verweisungsverhältnis zum Gemeinten steht. Im Unterschied zur Allegorie und zum Emblem, die nach festen Regeln konstruiert und einsinnig aufgelöst werden können, ist das Symbol polyvalent und kann individuell gesetzt werden. Es ist eine moderne Form der "uneigentlichen" Rede.

    · Es war die Nachtigall und nicht die Lerche", statt "Es ist noch (Liebes-) Nacht, nicht schon (trennender) Morgen"

    · "Rose" für "Liebe", Waage in der Hand der Justitia für "Gerechtigkeit"

    · "Eule" für "Weisheit", "Taube" für "Frieden", "Kreuz" für "Christentum"

     

    Synästhesie

    Zusammenempfindung: Verbindung von Wörtern aus mehreren Sinnesbereichen; Verschmelzung von Bildelementen unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen

    · Golden wehn die Töne nieder (Brentano)

    · Durch die Nacht die mich umfangen,/ blickt zu mir der Töne Licht (Brentano)

    · Die Brillengläser waren so dick, dass die Augen ganz leise aussahen. (Borchert)

    · heiße Rhythmen, schreiendes Rot

     

    Synekdoché

    Mitverstehen: Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen, der innerhalb desselben Begriffsfeldes bleibt; Austausch einer Vorstellung durch einen Begriff weiterer oder engerer Bedeutung, "pars pro toto"

    · "Dach" für "Haus"

    · "Lenze" für "Jahre"

    · Tausend fleißge Hände regen,/ Helfen sich in munterm Bund,/ [...] Meister rührt sich und Geselle (Schiller)

    · Drei Sommer waren ins Land gegangen (damit auch übrige Jahreszeiten)

     

    Tautologie

    dasselbe sagend: Wiedergabe eines Begriffs durch zwei oder mehr Worte gleicher Bedeutung; nicht immer leicht vom eingliedrigen, attributiv geprägten Pleonasmus zu unterscheiden

    · ganz und gar, recht und billig, angst und bange

    · hinter Schloss und Riegel

    · Art und Weise

     

    Vergleich

    Verschmelzung des gemeinsamen Gehalts aus zwei Bereichen, die sich im "tertium comparationis", also einem gemeinsamen Dritten, begegnen; bei Ausfall des Vergleichsworts: Metapher

    · Rosen, wild wie Flammen (mit tertium comparationis)

    · Liljen, wie kristallne Pfeiler (ohne tertium comparationis)

    · Und er sitzt bei den Weiden (...), wie verwaiste Lämmer weiden.

    · Diß Leben koemmt mir vor als eine Renne-Bahn (Gryphius)

    · Der alte Bauer saß da, wie ein Stoß verlassenen Holzes tief im Walde steht (Stehr)

    · Haare wie Ebenholz, Wangen wie Schnee und Lippen wie Blut [tertium comparationis: schwarz - weiß - rot]

    · finster wie die Nacht, sie weinte wie ein Kind

    · Der Knabe springt wie ein wundes Reh (Droste-Hülshoff)

    · Des Menschen Seele / Gleicht dem Wasser: / Vom Himmel kommt es, / Zum Himmel geht's, / Und wieder nieder / zur Erde muss es (Goethe)

    Impressum:

    Zusammenstellung: Michael Will

    Beispiele: Julia Andres, Kerstin Barthel, Krischan Brandl, Moritz Brembs, Tatjana Löffler, Katharina Räth, Hisanori Suganuma, Michael Will

    Verwendete Quellen:

    Burdorf, Dieter: Einführung in die Gedichtanalyse. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart, Weimar 1997.

    Frank, Horst J.: Wie interpretiere ich ein Gedicht?. Eine methodische Anleitung- 6. Auflage. Tübingen/Basel 2003. Gfrereis, Heike (Hrsg.): Grundbegriffe der Literaturwissenschaft. Stuttgart/Weimar 1999.

    Gutzen, Dieter/Oellers, Norbert/ Petersen, Jürgen H.: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft. Ein Arbeitsbuch. 6. neugefaßte Auflage. Berlin 1989.

    Kolmer, Lothar/ Rob-Santer, Carmen: Studienbuch Rhetorik. Paderborn 2002.

    Meid, Volker: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur. Stuttgart 1999.

    Wilpert, Gero von: Sachwörterbuch der Literatur. 7. verbesserte und erweiterte Auflage. Stuttgart 1989.

    Außerdem wurden verschiedene im WWW verfügbare Ressourcen dankbar genutzt, insbesondere die im Zusammenhang mit literaturwissenschaftlichen Einführungsseminaren von Gerhard Lauer an der Uni München entstandene Lauer-Liste und die Website Einladung zur Literaturwissenschaft von Jochen Vogt (Uni Essen).

    Kontakt

    Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte
    Am Hubland
    97074 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-85640
    E-Mail

    Suche Ansprechpartner

    Hubland Süd, Geb. PH1